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CIPHER-MUX
Prozess & Konzepte · v0.9.101

Warum spezialisierte Sessions?

cipher-mux trennt Phasen der Softwareentwicklung in eigene KI-Sessions — mit eigenem Kontext, eigenen Anweisungen, eigenen Grenzen. Hier steht, warum das manchmal funktioniert und wann nicht.

$ 01 Die Idee

Die Idee

Wenn du eine einzige Claude-Session bittest, ein Feature zu planen, zu coden, zu testen und zu reviewen, passiert Folgendes: der Kontext fuellt sich, fruehere Anweisungen werden komprimiert, die Qualitaet sinkt. Jeder, der Claude Code fuer groessere Aufgaben benutzt hat, kennt das.

Die Hypothese hinter cipher-mux: Was waere, wenn jede Phase der Entwicklung ihre eigene Session bekaeme? Eigener Kontext, eigene Anweisungen, eigener Fokus. Mit sauberen Uebergaben zwischen den Phasen.

Das ist kein bewiesenes Verfahren. cipher-mux ist der Versuch einer einzelnen Person, diese Hypothese zu testen. Fuer manche Aufgaben funktioniert es ueberraschend gut. Fuer andere faellt es flach.

Token-Kosten sind real: Jede Session verbraucht API-Tokens. Parallele Sessions multiplizieren das. Das Context Window ist endlich. Wenn es voll ist, vergisst Claude — und es gibt kein Undo.

Wann lohnt sich der Aufwand?
Ob das den Aufwand wert ist, haengt vom Projekt ab. Fuer eine einzelne Datei-Aenderung ist eine nackte Claude-Session besser. Fuer ein Feature mit zehn Dateien, Tests und Spec lohnt sich die Struktur.
$ 02 Der Lebenszyklus

Der Lebenszyklus

Sechs Phasen, jede mit eigenem Preset. Die Pipeline laeuft sequentiell — jede Phase uebergibt ein definiertes Artefakt an die naechste. Workshop und Companion laufen quer dazu.

Ideation Partner
Refinement
Cyber Factory
Testing Assistant
Workshop
Debugger
Audit

Workshop ist die Schaltzentrale nach dem Testing: er empfaengt Findings und verteilt sie an die passende Entity — Debugger fuer Bugs, Cyber Factory fuer groessere Umbauten, Ideation fuer Feature-Ideen. Der Companion begleitet den gesamten Zyklus als Berater und Erklaerer.

Ideation Partner

EINGANG Rohe Idee, Stichwortliste, vage Vorstellung

Recherchiert autonom mit Sub-Agents, synthetisiert Ergebnisse, prueft auf Robustheit (Pre-Mortem). Stellt Gegenfragen, bevor er strukturiert.

AUSGANG Anforderungspaket — strukturiertes Dokument mit Zielen, Scope, offenen Fragen

Refinement

EINGANG Anforderungspaket aus Ideation

Pflichtfeld-Check, systematisches Luecken-Audit, Validierung gegen bestehende Architektur. Schreibt Detail-Spec mit REQ-IDs und Akzeptanzkriterien.

AUSGANG Detail-Spec — praezise Anforderungen mit IDs, bereit fuer Implementation

Cyber Factory

EINGANG Detail-Spec aus Refinement

Architekturphase (Subsystem-Zerlegung, ADRs, Scaffolding), dann Wellenplan mit bis zu 5 parallelen Worker-Sessions in eigenen Git-Worktrees. Monitoring in 5-7 Minuten-Zyklen.

AUSGANG Getestete Implementation — Code, Tests, Dokumentation pro Welle

Testing Assistant

EINGANG Implementation aus Cyber Factory

Systematische Tests, adversariales Probing, Sicherheits-Audit (OWASP-Top-10). Fixt nichts — dokumentiert nur.

AUSGANG Findings Report — bei Problemen an Debugger, bei "alles gruen" an Audit

Debugger

EINGANG Findings vom Testing Assistant oder direkte Bug-Reports

Root-Cause-Analyse, Fix-Plan, eigene Worker-Session fuer den Fix, Verifikation (Test muss vorher rot gewesen sein, nach Fix gruen). Maximal 2 Retries, danach Eskalation an den User.

AUSGANG Bereinigte Implementation — zurueck an Testing oder weiter an Audit

Audit

EINGANG Implementation nach Testing/Debugging

Code Review, Sicherheits-Audit, ADR-Konsistenz-Check, Cognitive-Debt-Bewertung. Implementiert nichts, fixt nichts.

AUSGANG Release-Empfehlung: Release · Release nach Fix · Blockiert
$ 03 Die Entities im Detail

Die Entities im Detail

Zehn vordefinierte Entities, jede mit eigenem Zweck. Keine davon ist ein Alleskoenner — das ist Absicht.

Companion

Dein Einstiegspunkt. Erklaert Konzepte, hilft bei Entscheidungen, merkt sich deine Praeferenzen ueber Sessions hinweg. Schreibt keinen Code. Drei Modi: Tutor (erklaeren), Berater (abwaegen), Helfer (ausfuehren).

Voice Relay

Der Companion fuer Sprachinteraktion. Keine Proxy-Session — eine vollstaendige Session, optimiert fuer gesprochene Konversation. Kurze Antworten, klare Saetze, TTS-freundlich.

Ideation Partner

Nimmt eine vage Idee und macht etwas Konkretes daraus. Recherchiert autonom, strukturiert, hinterfragt (Pre-Mortem). Das Ergebnis ist ein Anforderungspaket, kein Code.

Refinement

Macht Anforderungen praezise. Luecken-Audit, REQ-IDs, Akzeptanzkriterien. Kein Code — nur Spec. Die langweiligste und wertvollste Phase.

Cyber Factory

Der Builder. Architekturphase, Wellenplan, parallele Worker, Monitoring. Fuer grosse strukturierte Arbeit. Komplex, ressourcenintensiv, nicht fuer Kleinkram.

Workshop

Der Orchestrator fuer alles was nicht in die Pipeline passt. Bekommt Findings vom Testing Assistant, Bug-Reports, Feature-Requests — und verteilt sie sinnig: Triviales erledigt er selbst, Bugs gehen an den Debugger, groessere Themen an die Cyber Factory, Feature-Ideen an Ideation. Die Schaltzentrale nach dem Testing.

Testing Assistant

Systematisches Testen, adversariales Probing, Sicherheits-Audit. Fixt nichts — dokumentiert Findings und uebergibt sie an den Workshop zur Triage. Die Trennung zwischen Finden und Verteilen ist bewusst.

Debugger

Bekommt einzelne Bugs vom Workshop zugewiesen, analysiert Root Causes, fixt, verifiziert. Eskaliert wenn nach 2 Versuchen keine Loesung steht — zurueck an den Workshop, der entscheidet ob Cyber Factory oder User-Eskalation.

Audit

Reviewed Code, Sicherheit, ADR-Konsistenz. Gibt eine Release-Empfehlung: Release, Release nach Fix, oder Blockiert. Implementiert nichts.

Welche Entity wann?

Situation
Entity
Test-Findings verteilen und triagen
Workshop
Neue Idee durchdenken
Ideation Partner
Feature mit >3 Dateien implementieren
Cyber Factory
"Was macht die Cyber Factory?"
Companion
Spec hat Luecken
Refinement
Code reviewen vor Release
Audit
Tests laufen lassen
Testing Assistant
Einzelnen Bug fixen (via Workshop)
Debugger
$ 04 Presets verstehen

Presets verstehen

Ein Preset ist eine vorkonfigurierte Rolle mit eigenen CLAUDE.md-Anweisungen. Die Schichtung dieser Anweisungen ist das Kernkonzept — sie bestimmt, wie sich eine Session verhaelt.

Die fuenf Schichten

Jede Session erhaelt ihre Anweisungen aus fuenf Schichten, die aufeinander aufbauen:

1. Global Rules basis

Werden in JEDE Session injiziert. Sicherheitsregeln, Tool-Grundregeln, TTS-Guardrails. Nicht editierbar pro Session.

2. Entity Preset rolle

Die preset.md der jeweiligen Entity — rollenspezifische Anweisungen, Phasen, Handoff-Regeln. Definiert WAS die Session tut.

3. Persona (Character) stil

Tonalitaet und Kommunikationsstil. Jedes Preset hat einen zugewiesenen Character — Relay fuer den Companion, Cipher fuer die Factory, etc. Definiert WIE die Session kommuniziert.

4. Workspace Prompt kontext

Wird in alle Sessions dieses Workspaces injiziert. Projektspezifischer Kontext, Konventionen, Verzeichnisse.

5. Cell Prompt individuell

Nur fuer diese spezifische Zelle. Einmalige Anweisungen, Overrides, Sonderregeln.

Variabilitaet
Gleiches Preset + anderer Workspace + andere Persona = anderes Verhalten. Ein Refinement-Preset im Workspace "cipher-mux" arbeitet anders als im Workspace "Kunden-Website" — weil der Workspace-Prompt anderen Kontext liefert und die Persona einen anderen Ton setzt.

Ordnerstruktur

Jede Entity hat ihr eigenes Verzeichnis unter ~/.config/cipher-mux/entities/:

  • preset.md — die Haupt-Anweisungen der Rolle
  • guides/ — ergaenzende Leitfaeden und Referenzen
  • ref/ — Referenzmaterial, Beispiele, Templates

Builtin vs. Custom

Eingebaute Presets sind feststehend — du kannst sie nutzen, aber nicht veraendern. Eigene Presets legst du im Workspace-Editor an: Name, Prompt-Text, fertig. Wer tiefer einsteigen will, kann sich mit Hilfe von Claude Code einen vollstaendigen Preset-Ordner aufbauen — mit Guides, Referenzmaterial und spezialisierten Slash-Commands. Denn nicht nur der Prompt macht ein Preset besonders.

Preset-Editor — Layer-Schichtung sichtbar Preset-Editor — Layer-Schichtung sichtbar
Preset-Editor — Layer-Schichtung sichtbar
$ 05 Personas (Characters)

Personas (Characters)

Personas definieren WIE cipher-mux kommuniziert — Tonalitaet und Stil, nicht Funktion. Sechs sind eingebaut. Eigene legst du im Workspace-Editor an.

Persona
Charakter
Relay
Ruhig, praezise, wissenschaftsjournalistisch. Kein Lob ohne Pruefung. Startcharakter fuer Companion und allgemeine Sessions.
Cipher
Positiver Cyberpunk, pragmatisch loyal. Trocken, direkt, Waechter-Mentalitaet.
Wayne
Pragmatischer Enthusiast. "Das kriegen wir hin"-Attitude. Nerd-Humor erlaubt.
Der Kyniker
Nur Fakten und Code. Ja/Nein wenn moeglich. Maximal komprimiert, telegrafisch.
Theaitetos
Fuehrt durch Fragen, nicht Antworten. Deckt Luecken im Denken auf, leitet zur Reflexion an.
Der Glitch
Bricht Denkmuster. Unkonventionelle Metaphern, kreative Reibung. Nicht fuer jeden Tag.

Global Override

Im Workspace-Editor kannst du eine Persona global aktivieren — dann gilt sie fuer alle Sessions, unabhaengig vom Preset. Nuetzlich wenn du gerade eine bestimmte Tonalitaet bevorzugst.

Eigene Personas

Name, Farbe und Prompt-Text — mehr braucht eine Persona nicht. Die eingebauten Personas sind editierbar, eigene kannst du beliebig viele anlegen.

Persona-Editor — sechs eingebaute Characters Persona-Editor — sechs eingebaute Characters
Persona-Editor — sechs eingebaute Characters
$ 06 Memory, Tags & Workspace-Scoping

Memory, Tags & Workspace-Scoping

cipher-mux hat zwei Systeme fuer Wissen, das ueber eine einzelne Session hinausgeht: Notes (sichtbar, teilbar) und Companion Memory (intern, automatisch).

Companion Memory

Was sich die KI ueber Sessions hinweg merkt. Drei Scopes:

Scope
Geltungsbereich
user
Gilt immer, ueberall. Deine Praeferenzen, Konventionen, Eigenheiten.
workspace
Gilt nur in diesem Workspace. Projekt-Entscheidungen, Stack-Wahl, offene Fragen.
session
Gilt nur in dieser Session. Temporaere Notizen, laufende Aufgaben.

Notes

Sichtbare, teilbare Wissensstuecke. Markdown-Dateien mit Tags. Du siehst sie in der Sidebar, kannst sie in Obsidian lesen, und Sessions koennen sie als Handoff-Medium nutzen.

Tags

Tags folgen dem Format klasse:wert — zum Beispiel workspace:CIPHER-MUX, kind:bugreport, status:open. Auto-Tagging per lokalem KI-Modell bei Cmd+S.

Workspace-Scoping

Wenn du einen Workspace aktivierst, passiert automatisch: Notes werden auf workspace:Name gefiltert. Prompts werden gescoopt. Kontext-Verzeichnisse werden gesetzt. Workspace wechseln = anderer Kontext, andere Notes, andere Tags.

Note vs. Memory — wann was?

Aspekt
Note
Memory
Sichtbarkeit
Sichtbar in der Sidebar, editierbar
Nicht sichtbar in der UI, nur im Memory-Tab der Sidebar einsehbar
Teilbarkeit
Zwischen Sessions teilbar, in Obsidian lesbar
Intern, nur fuer die KI
Typischer Inhalt
Specs, Findings, Handoffs, Feature-Beschreibungen
Praeferenzen, Konventionen, Projekt-Kontext
Beispiel
"Hier ist der Findings-Report von Testing Run 3"
"User bevorzugt Relay-Persona fuer Code-Arbeit"
$ 07 Ehrlichkeit

Ehrlichkeit

Das hier ist kein Verkaufsprospekt. cipher-mux ist ein Werkzeug, das fuer manche Aufgaben gut funktioniert und fuer andere nicht.

01 Token-Kosten

Jede Session verbraucht API-Tokens. Parallele Sessions multiplizieren die Kosten. Ein Cyber-Factory-Run mit 5 Workern verbrennt Tokens schnell. Das ist nicht kostenlos.

02 Context-Grenzen

Das Context Window ist endlich. Wenn es voll ist, komprimiert Claude aeltere Nachrichten. Information geht verloren. Es gibt keine magische Loesung — starte eine neue Session.

03 Handoffs koennen scheitern

Manchmal findet der Testing Assistant die richtigen Dateien nicht. Manchmal bricht der Fix des Debuggers etwas anderes. Das System ist nur so gut wie die Prompts und das LLM.

04 Solo-Maintainer

cipher-mux wird von einer Person in der Freizeit gebaut. "I respond when I have time." Das ist kein Startup mit Support-Team.

05 Nicht fuer alles

Fuer eine schnelle Ein-Datei-Aenderung ist eine nackte Claude-Code-Session besser. Der Overhead von Entities, Presets und Lifecycle lohnt sich nur fuer strukturierte Arbeit mit mehreren Dateien.

Die ehrlichste Empfehlung: probier es aus. Wenn es dir hilft, nutze es. Wenn nicht, kein Verlust.

Weiter? Zum Nachschlagen.

Die vollstaendige Referenz zu jeder Funktion, jedem Button und jedem Menue findest du in der Nutzung der App.